Tagesarchiv: 11. November 2011

Das Land retten, nicht die Gläubiger

Finanz-Systemkrise - Fotoquelle: Flickr

Quelle: brand eins

Damit ein Land seine Schulden bezahlen kann, muss es wachsen. Dies ist die Erkenntnis von Roberto Lavagna, der als ehemaliger Wirtschaftsminister Argentiniens eine der größten Staatspleiten der Geschichte managen musste.

Über die Lehren für Griechenland spricht er hier.

Argentinien und Griechenland

Was Griechenland möglicherweise noch vor sich hat – Argentinien hat es hinter sich. Im Jahr 2001 musste es sich nach einer langen Krise zahlungsunfähig melden. Seit 1998 taumelte das Land durch eine schwere Rezession. Das Wachstum stagnierte, die Währung war an den Dollar gekoppelt, Sparpaket folgte auf Sparpaket. Aber die strengen Programme nahmen der Wirtschaft die letzte Kraft. Als die Regierung schließlich die Bankguthaben einfrieren ließ, kam der große Krach: Aufgebrachte Bürger demonstrierten auf den Straßen, Supermärkte wurden geplündert, der Nationalkongress brannte. In der letzten Dezember-Woche des Jahres 2001 verkündete die Regierung schließlich, ihre Schulden nicht mehr bedienen zu können. Mit mehr als 100 Milliarden Dollar stand das Land damals bei Gläubigern auf der ganzen Welt in der Kreide. Es war der größte Zahlungsausfall in der Geschichte der Schwellenländer. Erst 2005 einigte sich Argentinien mit den Gläubigern über die Art der Umschuldung.  weiterlesen…

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Der Wettlauf mit den Maschinen

Race Against The Machine

Quelle: Technology Review

Informationstechnik vernichtet Jobs und macht die Reichen immer reicher, behaupten zwei MIT-Forscher in einem neuen Buch. Zum ersten mal in der jüngeren Geschichte habe sich im vergangenen Jahrzehnt das Wirtschaftswachstum vom Arbeitsmarkt entkoppelt.

Kostet der technologische Wandel Arbeitsplätze oder schafft er neue? An dieser Frage erhitzen sich immer wieder die Gemüter. Die Optimisten sind überzeugt, dass dank neuer Technologien langfristig mehr Jobs entstehen als zuvor. Stimmt so nicht, behaupten nun die MIT-Wissenschaftler Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee in ihrem neuen Buch „Race against the machine“: Die Fortschritte in der Informationstechnik vernichten Jobs und, schlimmer noch, machen die Reichen noch reicher.

Haben die Autoren recht, die beide am Center for Digital Business der Sloan School of Management forschen, bewirkt IT dreierlei: Sie verhilft Managern und Unternehmenslenkern in einigen Branchen zu enormen Einkommen; sie ermöglicht in einigen Dienstleistungssparten, Angestellte durch Software zu ersetzen; und in der Automatisierung von Fabriken ist sie für deren Eigentümer von größerem Vorteil als für die Mitarbeiter. Weiterlesen

Friedrich Christian Delius erhält Georg-Büchner-Preis

FC Delius

Quelle: Deutschlandfunk

Dankesrede des Autors in einer leicht gekürzten Fassung

Im 60. Jubiläumsjahr des Georg-Büchner-Preises hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Schriftsteller Friedrich Christian Delius ausgezeichnet. Als Chronist der Zeit habe er neuralgische Punkte der Bundesrepublik untersucht und viel zur Demokratisierung beigetragen, sagte die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff in ihrer Laudatio.

FC Delius, wie er sich als Autor nennt, wurde am 13. Februar 1943 in Rom geboren, wuchs in Hessen auf und lebt heute in Rom und Berlin. Er debütierte noch bei der Gruppe 47 und schrieb in über vierzig Jahren zahlreiche Werke, in denen er sich immer wieder mit zeitgeschichtlichen Themen beschäftigte. Sie reichen von der NS-Zeit über die Teilung Deutschlands bis in die Gegenwart.  weiterlesen…

Redebeitrag von FC Delius zum Hören


Der Sozialstaat: Zurück zur Versteuerung

Alle reden von Steuern - wir zahlen keine

Quelle: NachDenkSeiten

Ein gigantischer Salto vollzog sich am 17. Juni bei der letzten Sitzung des Europarates unter der spansichen Präsidentschaft: Mit Kraft auf die Europäische Union zu setzen, die ein über alles erhabenes Ziel hat: verhindern, daß die Krise den höchst geschätzten Erfolg Europas seit Mitte des 20. Jahrhunderts in den Abgrund reißt, den Sozialstaat, soll heißen Erziehung und kostenloses Gesundheitswesen, ausreichende Altersversorgung, sozialer Schutz für Hilflose, Infrastrukturen, Sicherheit und öffentlicher Dienst.

Jedoch reichen die Übereinkünfte des genannten Europarates nicht aus (Regulierung der Finanzmärkte, Wirtschaftsregierung Europas, eine das Wachstum und Schaffung qualifizierter Beschäftigung verbindende Strategie). Sie reichen nicht, weil der wichtigste Teil der Einkünfte und der öffentlichen Ausgaben – die das Rückgrat des Sozialstaates sind – der Nationalstaat verwaltet (um die 40% des BIP) und nicht die Unión (die lediglich 1% des europäischen BIP in ihrem Haushalt hat).
Quelle: El Pais [PDF – 75 KB] Weiterlesen