Schlecker-Girls Are Doing It for Themselves

Bürgermeister, Vermieter, Schleckerfrauen: Wenn alle am gleichen Strang ziehen, wird das was: Großes Interesse bei der Informationsveranstaltung “Aus Schleckerfrauen werden Nahversorger”.

Die Schlecker-Pleite brachte für die Beschäftigten, die so genannten Schleckerfrauen, eine unvorstellbare Situation: Teilweise schon seit 20 Jahren haben sie vor Ort den Laden geschmissen, immer hat die Kasse gestimmt, sie haben für einen Betriebsrat gestreikt und sich in Arbeitsgerichtsverhandlungen gegen demütigende Behandlung am Arbeitsplatz gestemmt. Und jetzt heißt es, für eine Vermittlung am Arbeitsmarkt seien sie zu unqualifiziert, zu dick, zu alt: “Sie haben ja noch nicht mal eine abgeschlossene Ausbildung”, meinte die neue Chefin der Stuttgarter Arbeitsagentur – für Bürokraten zählen Erfahrung und Lebensleistung nichts.

Die Schlecker-Pleite brachte aber auch für viele kleinere Orte die Katastrophe für den Ortskern: Rossmann, dm, Müller und Co winken ab: Die Läden sind zu klein. Wenn aber der Bürger im Ortskern kein Klopapier und keine Zahnpasta mehr kaufen kann und sowieso ins Einkaufszentrum fahren muss, dann kauft er dort auch gleich die Brötchen, das Gemüse und die Wurst. Der Bäcker, der Metzger und der türkische Gemüseladen im Ortskern stehen vor dem Ruin. Kein Wunder also, dass viele besorgte Bürgermeister händeringend Nachfolger für die Schlecker-Läden suchen. Haben sie doch die Sorge, dass ihre Ortsmitte stirbt. Und für die Vermieter der Läden? Viele waren ein Leben lang selbständig, kriegen deshalb nur eine Mini-Rente. Und der Laden war mit seinen Mieteinnahmen quasi ihre Lebensversicherung fürs Alter.

Die Lösung dieses Dilemmas lautet: “Schleckerfrauen werden Nahversorgerinnen”.

Was jetzt passiert? Die oben beschriebenen Interessenvertreter, also die Schleckerfrauen selbst, die Bürgermeister und die Vermieter mussten an einen Tisch gebracht werden und ziehen jetzt am gleichen Strang: Die Schleckerfrauen betreiben die Läden weiter. Dazu wurde ein Unternehmensberater gefunden, der aufzeigte, wie es einerseits vor Ort gehen kann: Der Gemeinderat, die Vereine und die Schulen, die Volksbank und die Sparkasse und viele Bürger müssen mitmachen und sich finanziell beteiligen.

Andererseits müssen sich die einzelnen Läden vernetzen, denn es geht auch darum, eine gewisse so genannte Einkaufsmacht zu entwickeln, um mittelfristig marktgerechte Preise bieten zu können. Auch dazu wurde eine Lösung gefunden: Eine Servicegesellschaft organisiert die wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung und macht den Einkauf, die Finanzbuchhaltung, die Beratung, das Coaching der Mitarbeiterinnen usw.

Dieses Gesamt-Vorhaben wird über einen Verein gelenkt, der um Spenden bittet, und an dem man sich finanziell beteiligen kann:

Das Beteiligungskonto lautet: Institut für Nahversorgung e.V., Konto: 835 665 003, BLZ 604 901 50, Volksbank Ludwigsburg. Sie erhalten automatisch eine Mitteilung als Nachweis über Ihre Beteiligung, wenn Sie ihre Adresse mit angeben.

Im Moment geht’s um viele Läden rund um Stuttgart. Das Interesse an dem Modell ist aber in ganz Baden-Württemberg, ja in ganz Deutschland vorhanden.

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