Die Kanzlerin in Griechenland

Bildquelle: Armin Linnartz – Creative Commons-Lizenz

Nur Missverständnisse

Quelle: German Foreign Policy

Begleitet von Massenprotesten hat die deutsche Kanzlerin am Dienstag in Athen sich um neue Chancen für deutsche Firmen bemüht. Die Privatisierung von Staatsbetrieben und Infrastruktur müsse beschleunigt werden, hieß es bereits vor Merkels Reise in Berlin. Die Kanzlerin habe die Abwicklung der DDR-Unternehmen gut in Erinnerung und wisse seither, wie man die industriellen Filetstücke eines Landes an profitorientierte Investoren veräußere.

Begünstigt werden deutsche Interessenten, wie sie gestern im Umfeld der Kanzlerin auftraten, durch die Einrichtung von “Sonderwirtschaftszonen” in Griechenland, die Berlin seit längerer Zeit fordert. Über die Wirkung des deutschen Spardiktats, das zur Verelendung der Bevölkerung führt, erklärt ein Sprecher der Bundesregierung: “Die Senkung der Lohnstückkosten ist prozentual zweistellig gelungen.” Außenpolitik-Experten in der deutschen Hauptstadt führen die gestrigen Massenproteste auf “Missverständnisse” zurück und empfehlen Berlin gezielte PR-Maßnahmen, um für die Zukunft Widerstände gegen die deutsche Dominanzpolitik auszuhebeln. Die griechische Bevölkerung sei zur Zeit “schlecht informiert”, sie habe aber Anrecht auf “verständliche Pressemitteilungen” zur näheren Erläuterung des deutschen Spardiktats.

Anmerkung WL: Wenn es tatsächlich zuträfe, dass Merkel den „Beutezug Ost“ durch die Treuhand und die Abwicklung der DDR als Modell für eine Privatisierungspolitik in Griechenland vorgeschlagen hat, dann ist der Ausverkauf dieses Landes programmiert und das noch ohne die Milliarden aus einem Solidaritätszuschlag nach innerdeutschem Vorbild.

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