„Rommel”-Film in der ARD – Der arme, arme Feldmarschall

Glühende gegenseitige Verehrung: Rommel mit Hitler im November 1942 (Foto: Getty Images)

Quelle: Stern

Es menschelte gewaltig. Ulrich Tukur ließ Hitlers Lieblingsgeneral Erwin Rommel geradezu nett erscheinen. Als Film ein Ereignis – als Geschichtsstunde gruselig…

In zwei Weltkriegen hat er viele Zehntausende in die Schlacht geführt; immer auf der Suche nach Ruhm, Lorbeer und dem nächsten Orden. Eine breite Blutspur hat er in oft unsinnigen Gefechten gezogen. Er liebte den Krieg. Er spielte das Spiel. Und er wollte gewinnen. Nicht wenig hat diese Art von Militarismus dazu beigetragen, dass die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ein furchtbares Gemetzel war…

So bleibt vor allem eine Erkenntnis: Auch fast siebzig Jahre danach sind Hitlers schneidige Heerführer die falschen Identifikationsfiguren für das populäre Geschichtsdrama im Fernsehen.

Anmerkung WL: Ich kann dem Autor Stefan Schmitz nur zustimmen. Da wird in dem Film ein schon in der Nazi-Zeit als Held hochstilisierter Militär und unerbittlicher Eroberungsbefehlshaber, der sowohl im Ersten als auch Zweiten Weltkrieg den „Angriffskrieg“ zu seinem Lebensinhalt machte, als sympathischer Mensch (mit Dackel an seiner Seite) voller Skrupel zwischen Verehrung seines Führers und – als er die militärische Niederlage vor Auge hatte – zumindest im Innern seines Herzens als Widerständler dargestellt.

Erwin Rommel hat Hitler geradezu unterwürfig „gedient“, vom Überfall auf Polen, über den Einmarsch in die Tschechei, über den „Wüstenkrieg“, über die aussichtslose Abwehr der Landung der Westalliierten in der Normandie, ja bis zu seinem Selbsttod. Nicht ein Dokument hat er selbst hinterlassen, dass er „seinen Führer“ oder die Naziherrschaft ablehnte, geschweige denn Widerstand dagegen leistete. Selbst in seinem „Freitod“ folgte er seinem Führer und hat in Kauf genommen, dass sein „Staatsbegräbnis“ für die Nazipropaganda missbraucht werden konnte.

Wenn er überhaupt ins Zweifeln kam, so ausschließlich aus militärischen Gründen und weil sein „Sieger-Mythos“ in Frage stand. Dargestellt wurde Rommel als ehrenwerter Militär, der nichts von Politik verstand oder wissen und nur „seinem Vaterland“ dienen wollte. Der, obwohl er an der Seite Hitlers nach Polen reiste und dort eine zeitlang Kommandant war, nichts von dem Massenmord an Polen und Juden gewusst haben soll, der – wohlgemerkt noch als Generalfeldmarschall in Frankreich – berührt gewesen sein soll, als er die Fotos vom Abtransport nackter Juden in die Vernichtungslager auch aus diesem Land erfahren haben soll. Der nichts davon wissen sollte, dass die SS bei der Verfolgung von französischen Widerstandskämpfern – wie z.B. Oradour – in grausamster Weise Zivilisten massakrierte.

Auch die Verantwortung der ihn in dem Film umgebenden Generalskameraden für deren verbrecherische Befehle an der „Ostfront“ blieb in dem Film außen vor. Wenn es so war, dass die Widerstandskämpfer des 20. Juli Rommel als „Kopf“ für ein neues Deutschland ausersehen haben sollten, ist das eigentlich nichts anderes als ein Beleg dafür, dass dieser Widerstand einiger Weniger aus der Militärführung eher von der Uneinsichtigkeit Hitlers in die unausweichliche militärische Niederlage des „Dritten Reiches“ und als Rettung der „Ehre“ der Wehrmacht motiviert war, als dass der Attentatsversuch ein Signal für ein demokratisches Deutschland eingeordnet werden könnte. Wozu brauchte man in einem friedlichen Deutschland einen „Wüstenfuchs“ als „Gallionsfigur des Umsturzes“? Aber auch dazu konnte sich Rommel nicht durchringen und dennoch wird in Kreisen der Bundeswehr und der Bevölkerung bis heute an der Legende des Widerstandskämpfers und heldenhaften und untadeligen Soldaten gestrickt. (Wie hieß es doch in Stuttgart als Rommels Sohn Manfred in Stuttgart zum Oberbürgermeister kandidierte: „En Stuagart sonst koiner, als dem Rommele sei Kloiner!“)

Der Rommel-Film in der ARD reiht sich ein in die Rechtfertigungsversuche der deutschen Wehrmacht gegenüber den Verbrechen der Nazidiktatur, die auch der enge Vertraute und treue Diener Hitlers, Rommel, bis zur Einsicht in die Niederlage militärisch stützte. Der Film ist jedenfalls für den Geschichtsunterricht absolut ungeeignet. Die sich an den Film anschließende Dokumentation bot mehr Aufklärung, als das aufwendig gemachte Epos. Leider berühren Fakten die Einstellung von Menschen weniger, als die erfundene und menschelnde Geschichte eines letztlich netten Feldmarschalls, der in Tatort-Manier präsentiert wird.

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