Mitt Romney und das neue vergoldete Zeitalter

Quelle: Blätter für deutsche und internationale Politik

von Robert B. Reich

Die diesjährigen Wahlen in den Vereinigten Staaten werfen zwei verwirrende Fragen auf. Wie konnte es – erstens – dazu kommen, dass die Republikaner Mitt Romney als Präsidentschaftskandidaten präsentieren, der so kaltschnäuzig die Exzesse des Kasinokapitalismus verkörpert, welche doch unsere Wirtschaft beinahe zerstört und unsere Demokratie überwältigt haben? Zweitens drängt sich die Frage auf, wieso die US-Demokraten es bisher nicht schaffen, nachhaltig klar zu machen, was dieser Vorgang bedeutet.

Das Weiße Haus hat Mitt Romney seine Jahre als Miteigentümer der Firma Bain Capital vorgehalten. Dabei haben sie insbesondere ein Geschäft angeprangert, das die Firma GS Technologies in Kansas City im Jahr 2001 in die Insolvenz trieb und 750 Arbeitsplätze kostete. Aber das Weiße Haus versäumte es, Romneys Unternehmen in den eigentlichen Kontext zu rücken und die Geißel des Kasinokapitalismus als solche zu thematisieren. Es konnte daher nicht überraschen, dass der kritische Vorstoß bald in einem Kleinkrieg über die Fragen stecken blieb, wie viele der Unternehmen, die Bain Capital aufkaufte und mit Schulden überfrachtete, anschließend zusammenbrachen (es handelt sich um etwa 20 Prozent) und in welchem Verhältnis die Anzahl der Menschen, die ihre Arbeit durch die finanziellen Manöver der Firma verloren, zur Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze steht. Ansonsten löste der Vorstoß in Sachen Bain nur einen Gegenangriff aus: Die Obama-Administration habe sich ihrerseits bei dem Solar-Unternehmen Solyndra verspekuliert und damit Steuergelder verspielt, so die Republikaner.

In Wirklichkeit geht es hier aber gar nicht darum, die Ergebnisse der Bain-Spekulationen zu bilanzieren. Worum es geht, ist der Umgang mit der Tatsache, dass Romneys Firma Bain ein Teil ebenjenes Systems ist, für das Jamie Dimons JP Morgan Chase, Jon Corzines MF Global und Lloyd Blankfeins Goldman Sachs stehen – ein System, das einen Großteil der Wirtschaft in einen Wettsalon verwandelte und das 2008 um ein Haar implodiert wäre – nicht ohne auch so Millionen Arbeitsplätze zu vernichten und zahllose Existenzen zu ruinieren. Die Gewinner dieses Systems sind Spitzenakteure und Händler der Wall Street, Private-Equity-Manager und Hedgefonds-Mogule – während wir anderen fast alle als die Verlierer dastehen. Es handelt sich um ein System, das die Einkommens- und Vermögenskonzentration an der obersten Spitze der amerikanischen Sozialpyramide so gesteigert hat wie seit dem berühmt-berüchtigten „Vergoldeten Zeitalter“ (Mark Twain) der USA im 19. Jahrhundert nicht mehr. Heute besitzen die reichsten 400 Amerikaner genauso viel wie die untersten 150 Millionen US-Bürger zusammen. Und jetzt sind diese Multimillionäre und Milliardäre mit Nachdruck dabei, die 2012er Wahlen zu kaufen – und damit zugleich die amerikanische Demokratie.  weiterlesen…

Anmerkung: Die NDS brachten bereits heute morgen einen Hinweis auf einen Artikel von Robert Reich. Der Beitrag in den “Blättern” geht ausführlicher darauf ein, wofür Mitt Romney steht.

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