»Privat furchtbar verletztlich« – Aus den Unterklassen extra: Die Grünen haben gewählt

Basis ahoi! Schröders Exekutor und die neu erfundene Sozialpolitikerin – Bildquelle: cicero

Quelle: junge welt

Jackson Müller

Die Grünen, die Partei der Militäreinsätze, der Gentrification und der Zweidrittelgesellschaft, haben mal wieder die Demokratie gerettet. Zumindest die Vorstellung davon. Und auch das nur im eigenen Laden:

An einer als sensationell verkauften »Urwahl« der Spitzenkandidaten für die kommende Bundestagswahl beteiligten sich 62 Prozent der insgesamt 60000 Parteimitglieder. Die Ergebnisse wurden am Samstag bekanntgegeben. Das Rennen machten Jürgen Trittin, der Chef der Bundestagsfraktion, und Katrin Göring-Eckardt, von Beruf Christin (protestantische Fraktion).

Mit 71,9 Prozent war Trittin der klare Sieger, mit deutlichem Abstand gefolgt von Göring-Eckardt mit 47,3 Prozent. Abgeschlagen Trittins Ko-Fraktionschefin Renate Künast (38,6 Prozent) und ganz hinten die Parteivorsitzende Claudia Roth, für die lediglich 26,2 Prozent stimmten. Prompt kündigte Göring-Eckardt an, sie wolle nun die Wähler für eine »bessere Gesellschaft« begeistern. Laut taz habe sich die Frau vom angeblich rechten Parteiflügel (wo ist der linke?) als »Sozialpolitikerin« neu erfunden, was einer Drohung für alle Sozialschwächeren gleichkommt, hatte sie doch unter der Schröder-Fischer-Regierung die Hartz-Gesetze in der Grünen-Fraktion mitdurchgesetzt. Trittin war ja sowieso Exekutor des Bundeskanzlers, das Flaggschiff von Gerhard Schröder, so eines wie es Darth Vader als Vertreter des Bösen in »Star Wars« befehligt.

Um den von Zeit, Stern und Spiegel bejubelten Reservestaatsmann Trittin zu ärgern, hatten seine innerparteilichen Gegner vom Traditionsverband des »Realo«-Lagers die Urwahl lanciert. Wie in einem bionadisch mißverstandenen US-Vorwahlkampf mußten Trittin, Göring-Eckardt, Künast und Roth durch die grünen Kleinkleckersdörfer ziehen und sich mit elf weiteren Basiskandidaten der Diskussion stellen. Allesamt Männer, wirkten sie mehrheitlich so tumb und politikfern wie die US-Zeichentrickfiguren Homer Simpson oder Peter Griffin (»Family Guy«). Ihre Ergebnisse bei der Urwahl reichten von 0,3 bis drei Prozent.

Das wichtigste Ergebnis dieser Posse ist die Schwächung von Claudia Roth, die in der FAZ vom Sonnabend noch ihrer ersten großen Liebe Winnetou hinterhertrauerte. Merke: »Privat bin ich furchtbar verletztlich«.

Allgemein starten die neuen Spitzenkandidaten der Grünen mit niedrigen Umfragewerten in den Bundestagswahlkampf. Im aktuellen Sonntagstrend der Bild am Sonntag verlieren die Grünen einen Prozentpunkt und kommen auf nur zwölf Prozent.

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