Was die Frankfurter Rundschau tatsächlich in die Insolvenz getrieben hat

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Quelle: NachDenkSeiten

Mit personellen Kahlschlägen allein lässt sich ein Zeitungsverlag nicht retten und ohne eine eigenständige Redaktion lässt sich keine profilierte Tageszeitung halten. Die Umsatzverluste im Anzeigengeschäft bei den Printmedien sind nicht bestreitbar, aber der Verlust der verkauften Auflage war die entscheidende Ursache für den Niedergang dieser Tageszeitung. Zuerst sinkt die verkaufte Auflage einer Zeitung und dann sinken auch die erzielbaren Anzeigenpreise.

Eine Zeitung, die im Wesentlichen nur noch aus einem geborgten „Mantel“ besteht, kann auf Dauer nicht mehr verhüllen, dass unter dem Mantel kaum noch eigenständige Inhalte stecken. Die Frankfurter Rundschau hat neben den anderen überregionalen Zeitungen weitgehend ihre eigene Stimme verloren. Dieser Verlust war ein sich seit Jahren hinziehendes Trauerspiel, das nun durch die Insolvenz sein Ende gefunden hat.

Mit dem Aus der FR, die am 1. August 1945 die zweite Lizenz einer deutschen Tageszeitung nach dem Krieg erhalten hat, hat der Meinungs-Mainstream in der Presselandschaft hat einen weiteren Sieg errungen. Der Niedergang der FR ist exemplarisch für den Niedergang des Journalismus insgesamt. Von Wolfgang Lieb.

Die Geschäftsführung der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH (Frankfurter Rundschau) hat gestern beim Amtsgericht Frankfurt am Main Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Die Hauptgesellschafter M. DuMont Schauberg (MDS) (51%-Anteil) und die SPD-Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg) (40%-Anteil) erklärten, eine sich nunmehr abzeichnende dauerhafte Finanzierung hoher Verluste sei sowohl für MDS als auch die ddvg nicht länger darstellbar.

Seit Jahren gab es in der FR eine Sparrunde nach der anderen. Im Jahr 2000 waren noch 1.650 Mitarbeiter beschäftigt, nach der „Rettung“ durch die SPD-Medienholding im Jahr 2004 waren es noch 1.110 und als der „Retter“ DuMont Schauberg 2006 als neuer Mehrheitsgesellschafter einstieg, blieben noch 730 Mitarbeiter. Derzeit sind es noch 487, die von dem Insolvenzantrag geschockt wurden.

Auch die Redaktion der FR erlitt einen personellen Kahlschlag nach dem anderen oder die Redaktionsmitglieder gingen in einer „DuMont Redaktionsgemeinschaft“ auf. Seit zwei Jahren kommen die meisten überregionalen Inhalte von einer gemeinsamen Redaktion mit der „Berliner Zeitung“, seit dem vergangenen Jahr wird auch der überregionale Teil in Berlin produziert, die ebenfalls zur Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg gehört. Die dort ansässige “DuMont Redaktionsgemeinschaft” beliefert das Blatt – wie den Kölner Stadtanzeiger und die Mitteldeutsche Zeitung – mit politischen Berichten von bundespolitischer Bedeutung. Auch die verbliebenen Redaktionsmitarbeiter aus den Ressorts Wirtschaft, Feuilleton und Sport wurden mehr und mehr nach Berlin abgezogen oder schieden aus. In Frankfurt verblieb letztlich nur noch die Lokalredaktion, die Berichterstatter über die Frankfurter Eintracht und einzelne Autoren aus der Stammmannschaft. Der Rest wurde in einen nicht tarifgebundenen Pressedienst und in ein „FR Publishing“ ausgelagert. Die FR war über ein Jahr sogar ohne eigenen Chefredakteur. Man glaubte, dass mit immer weniger Menschen, die an der Erstellung einer Zeitung beteiligt sind, wieder schwarze Zahlen geschrieben werden könnten.

Wenn man aus diesem Niedergang einer Tageszeitung eine Lehre ziehen kann, dann diese:
Mit personellen Kahlschlägen allein lässt sich ein Zeitungsverlag nicht retten und ohne eine eigenständige Redaktion lässt sich keine profilierte Tageszeitung halten.

Die Erwartungen, dass sich die „Umstrukturierungen“ die Verluste des Druck- und Verlagshauses der FR verringern würden erwiesen sich als Illusion. Der Gürtel wurde enger geschnallt, ohne dass bemerkt wurde, dass die Luft zum Atmen ausging.

Außer dem scheinheiligen Dank der Hauptgesellschafter für Gehaltsverzichte, Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen und Flexibilität ist den Mitarbeitern nichts geblieben. Die Verluste wurden nicht geringer und beliefen sich angeblich in den vergangenen Jahren auf jeweils um die 20 Millionen Euro. Allein in diesem Jahr seien 16 Millionen Verluste aufgelaufen und gegenüber dem Vorjahr rund 15 Prozent weniger Vermarktungserlöse zu verzeichnen gewesen. Der Zwitter zwischen Lokalzeitung mit überregional produziertem Mantel war nicht überlebensfähig.

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