Videopodcast 12/02 – Leser fragen, die NachDenkSeiten antworten

Quelle: NachDenkSeiten

Hauptadresse: http://www.nachdenkseiten.de/

Artikel-Adresse: http://www.nachdenkseiten.de/?p=15394

Ergänzung zu unserem Videopodcast 12/02

Unser Leser G.K. schreibt uns: Die Frage des NDS-Lesers bezog sich auf die europäische Ebene: Würde der “chinesische Riese” Europa bei einem stärkeren Lohnwachstum niederkonkurrieren? Auf der volkswirtschaftlichen Betrachtungsebene spielen auch die Produktivitätsentwicklung und der Wechselkurs eine entscheidende Rolle: Erzielt ein Land (in diesem Falle China) permanent hohe Außenhandelsüberschüsse, dann wird sich der Wechselkurs dieses Landes über kurz oder lang im Vergleich zu den Währungen der übrigen Länder nach oben entwickeln, wodurch sich die preisliche Wettbwerbsfähigkeit dieses Landes reduziert. Im Falle Chinas ist die Lage jedoch etwas komplizierter: Der Wechselkurs der chinesischen Währung ist stark an den US-Dollar gekoppelt. Diese Koppelung hat in den vergangenen Jahren entscheidend mit dazu beigetragen, daß die USA ein hohes Außenhandelsdefizit mit China aufweisen. Deutschland betrieb seit Ende der 90er Jahre innerhalb der Eurozone ein Lohndumping, China gegenüber den USA ein Währungsdumping. Die Wechselkursanpassung zwischen Euro und chinesischer Währung läuft mithin v.a. über den “zwischengeschalteten” Dollar.

Die deutsche Exportwirtschaft als Teil der Eurozone hat sich den Euro seit der Fixierung der Euro-Umtauschkurse der einstmals eigenständigen europäischen Währungen im Jahre 1999 für die eigenen Interessen zu Nutze gemacht: Durch eine Lohnstückkostenentwicklung deutlich unterhalb der Zielinflationsrate der EZB hat die deutsche Exportwirtschaft ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu Lasten der übrigen europäischen Staaten massiv verbessert und damit in erheblichem Maße zu den europäischen Ungleichgewichten und der Krise innerhalb der Eurozone mit beigetragen. Die deutsche Exportwirtschaft profitiert nicht nur im direkten Handel mit den übrigen Staaten der Eurozone von der hiesigen Dumpingpolitik, sondern wegen der Entwicklung des Eurokurses im Vergleich zu den übrigen Welt-Währungen auch im Handel mit den Staaten außerhalb der Eurozone. Denn die erheblichen ökonomischen Probleme in zahlreichen Staaten der Eurozone sowie deren Außenhandelsdefizite üben preislichen Druck auf den Euro-Wechselkurs aus. Würde Deutschland zur DM zurückkehren, dann würde dies zu einer massiven Aufwertung der DM gegenüber dem Euro und den übrigen Währungen führen. Für die unter Außenhandelsdefiziten leidenden Staaten der Eurozone ist der derzeitige Euro-Umtauschkurs hingegen noch immer zu hoch.

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