Zum Tod von Peter Struck

Zum plötzlichen Tod von Peter Struck erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Gregor Gysi:

Über viele Jahre konnte und durfte ich mit Peter Struck zusammenarbeiten. Er war fleißig, engagiert und verlor nie das Gefühl für die Situation der Bevölkerung, für Menschen in Armut. Er konnte sich freundschaftlich, kollegial und solidarisch verhalten, inzwischen eher eine Rarität in der Politik. Er besaß auch Humor und war lebenslustig, fuhr – für mich völlig unverständlich – gerne Motorrad. Wir sollten versuchen, ihn mit seiner Lebenslust in Erinnerung zu behalten. Seinen Angehörigen drücke ich mein tief empfundenes Beileid aus.

Quelle: Linksfraktion

Von Wolfgang Lieb

Man erschrickt besonders, wenn jemand plötzlich stirbt, der etwa im gleichen Alter ist. Ich habe Peter Struck noch in meiner Bonner Zeit, als ich im Kanzleramt arbeitete, kennen und menschlich schätzen gelernt. Er war anders als die üblichen Politiker. Er war offen, bescheiden, witzig und ernsthaft zugleich. Er war ein offener Diskussionspartner und jemand, mit dem man sich gerne traf und mit dem man wunderbar Fußball gucken konnte. Gerade weil er damals so anders war, als die Mehrheit der Politiker, die ich sonst so kennengelernt habe, hätte ich damals nie gedacht, welche „Karriere“ er noch machen würde.

Ich habe mir nicht vorstellen können, dass er als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, die ersten Abweichungen der Schröder-Regierung vom Berliner Programm, aber vor allem auch vom Wahlprogramm der SPD des Jahres 1998 gegenüber der Fraktion durchsetzte. Und ich hätte mir nicht ausmalen können, dass er jemals hätte Verteidigungsminister werden wollen oder können und in dieser Funktion der Bevölkerung die Legende auftischen würde, dass die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland auch am Hindukusch verteidigt würde. Vielleicht irre ich mich ja, aber ich hatte danach immer bei ihm herausgespürt, dass er menschlich darunter (auch) gelitten hat, was er in seinen politischen Funktionen vertreten hat oder musste. Für mich ist der bekennende Motorradfahrer und sensible Mensch immer auch ein Beispiel, was die parteipolitischen und zumal die Regierungszwänge, wenn man darin eine wichtige Rolle eingenommen hat, an Deformationen bewirkt. Ich war froh, dass er und nicht andere Bewerber Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung geworden ist, weil ich damit die begründete Hoffnung verbunden hatte, dass diesem sozialdemokratischen Think-Tank eine gewisse Freiheit gegenüber den taktischen Klimmzügen der SPD und vor allem ihrer derzeitigen Führung garantiert war. Es wird nicht einfach, einen geeigneten Nachfolger zu finden. (Wolfgang Lieb)

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