Deutschlands Mitte bröckelt

Kinderarmut in DeutschlandQuelle: Süddeutsche Zeitung

Vom wachsenden Wohlstand profitiert nur eine Elite. Forscher des Berliner DIW und der Universität Bremen widerlegen die These von der Stabilität der Mittelschicht. Ein weiteres Studienergebnis: Für die Einkommensschwachen ist es schwieriger geworden, nach oben aufzusteigen. (…) Eine wachsende Anzahl von Menschen, auch in der Mitte der Gesellschaft, plagen Zukunftsängste. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Universität Bremen zeigt: Diese Sorgen sind berechtigt. “Gemessen an den Reallöhnen, dem realen Haushaltsnettoeinkommen und dem Vermögen hat die Einkommensmittelschicht in Deutschland in den vergangenen Jahren zum Teil deutliche Einbußen erlitten”, heißt es in der Untersuchung, die von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegeben wurde und die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Die Wissenschaftler stellen fest: “Die Ungleichheit beim Einkommen als auch beim Vermögen hat weiter zugenommen.” Von den zusätzlichen Wohlstandsgewinnen habe in den vergangenen Jahren nur “eine Elite in der Gesellschaft” profitiert. “Das Versprechen von Ludwig Erhard eines ‘Wohlstands für alle’ wird damit seit geraumer Zeit in Deutschland nicht mehr so eingelöst wie noch in der langen Phase seit den 1950er-Jahren.” Die neue Analyse bestätigt Erkenntnisse, die bereits in der ursprünglichen Fassung des vierten Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung enthalten, aber vor allem auf Druck der FDP zum Teil daraus gelöscht oder geglättet worden waren.

Anmerkung unseres Lesers G.K.: Damit ist der “Armuts- und Reichstumsbericht” der Bundesregierung bereits heute Makulatur. Die asoziale sowie ökonomisch und gesellschaftspolitisch schädliche Politik der wachsenden gesellschaftlichen Spaltung in Arm und Reich soll nun auf Druck der hiesigen neoliberalen Interessenvertreter in Politik, Medien und Wirtschafts-”Wissenschaften” auch den übrigen Staaten und Bevölkerungen der Eurozone übergestülpt werden.
Ulrike Herrmann, Wirtschaftskorrespondentin der taz, analysiert in ihrem Buch “Hurra, wir dürfen zahlen – Der Selbstbetrug der Mittelschicht” (2010) die wachsende Reichtumskonzentration in Deutschland, die auch medial angeheizte Verachtung der Unterschicht durch die Mittelschicht, den fatalen Glauben der Mittelschicht, sie sei “pivilegiert” sowie den ausbleibenden Protest der Mittelschicht dagegen, daß ein wachsender Anteil des Volkseinkommens auf die sogenannten “Eliten” entfällt. Siehe hierzu auch Wolfgang Liebs Rezension zu Ulrike Herrmanns Buch.

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: