Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland steigt auf 60 Prozent

Flagge Griechenland

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Quelle: zeit.de

Die Arbeitslosenquote in Griechenland steigt immer weiter in Richtung der 30-Prozent-Marke. Bei jungen Griechen unter 24 Jahren ist die Situation besonders dramatisch. Knapp 62 Prozent der jungen Menschen unter 24 Jahren hatten im November vergangenen Jahres keinen Job. Im Vorjahresmonat waren es noch 50 Prozent, teilte die Statistikbehörde mit. Insgesamt stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zu Oktober von 26,8 auf 27 Prozent. Im November 2011 hatte die Quote bei 20,8 Prozent gelegen, im November 2008 waren es noch gut acht Prozent gewesen. Insgesamt waren 1.350.181 Menschen in Griechenland arbeitslos.

Die griechische Wirtschaft schrumpfte 2012 den Statistikern zufolge um 6,5 Prozent. Im Vergleich zur Situation vor einem Jahr stand Griechenland im vierten Quartal 2012 mit einem um sechs Prozent gesunkenen Bruttoinlandsprodukt (BIP) am schlechtesten unter den Ländern Europas da, teilte die Statistikbehörde Eurostat mit.

Anmerkung unseres Lesers S.P.: So geht es aus, wenn weibliche und männliche „schwäbische Hausfrauen“ eine Politik verordnen, die versucht, durch „Sparen“ das „Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen“.

Nochmals „Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland steigt auf 60 Prozent“
Zu unserem heutigen Hinweis Ziffer 7 auf einen Beitrag zur Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland schreibt uns unser „Griechenland-Korrespondent“ Niels Kadritzke:

Die neue Arbeitslosenquote von 27 Prozent, die Griechenland für den Monat November 2012 ermittelt hat, ist natürlich ein vernichtendes Urteil über die praktizierte Sparpolitik. Schon weil diese Zahl bedeutet, dass die Kurve der Arbeitslosigkeit am Jahresende 2012 noch weiter angestiegen sein wird. Und dass sie sich im neuen Jahr (schließlich ist Winter und die touristische Saison beginn frühestens im April) auf 30 Prozent zu bewegen wird.

Besonders katastrophal ist natürlich die Arbeitslosenquote für die Altersgruppe 15 bis 24 Jahre. Sie ist erstmals über die 60-Prozent-Grenze gestiegen und liegt jetzt noch höher als in Spanien.

Aber bei dieser Zahl ist es wichtig, ein Missverständnis zu vermeiden. Es ist natürlich nicht so, dass man in Griechenland lauter beschäftigungslose Jugendliche auf den Straßen sieht. Die Zahl von 61,7 Prozent bezieht sich auf die Jugendlichen, die dem Arbeitsmarkt theoretisch zur Verfügung stehen. Nicht mitgerechnet werden also die Schüler, die Studenten und die Wehrpflichtigen. Die Quote derer, die bis zum Ende des Gymnasiums (bzw. des Lykeio, wie die gymnasiale Oberstufe in Griechenland heißt) zur Schule gehen, liegt in Griechenland sehr hoch, desgleichen die Zahl der Studenten (einschließlich Fachhochschulen). Da in Griechenland zudem die Wehrpflicht (für die männliche Hälfte) gilt, stehen auch von den nicht Studierenden männlichen Jugendlichen die meisten für 9 bis 12 Monate dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Dagegen gibt es in Griechenland kaum Lehrlinge im deutschen Sinne des Worts, weil eine Lehrlings-Ausbildung faktisch nicht existiert.

Nach den OECD-Statistiken gingen 2010 in Griechenland noch 89 Prozent der Altersgruppe 15-19 Jahre zur Schule; in der Altersgruppe 20-24 Jahre waren noch 47 Prozent in der Ausbildung (wobei mir unklar ist, ob hier die Wehrpflichtigen schon eingerechnet sind). Berücksichtigt man also Ausbildung und Wehrpflicht, so gilt für die Altersgruppe 15 bis 24 Jahre, dass etwa ein Drittel dieser jungen Leute Arbeit suchen, aber keine Arbeit finden. Das bedeutet immer noch, dass über 20 Prozent all dieser Jahrgänge im buchstäblichen Sinne arbeitslos sind (und dabei übrigens noch deutlich mehr junge Frauen als junge Männer). Auch dies ist natürlich ein fürchterlicher Zustand. Aber die gemeldete Zahl von 61,7 Prozent darf nicht zu der Vorstellung führen, dass so viele junge Leute derzeit nach Arbeit suchen, ohne welche zu finden.

Die eigentliche Katastrophenmeldung über die griechische Arbeitslosigkeit ist deshalb eine andere, und die wird in der Regel kaum beachtet: Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahre ist im November 2012 auf 36,2 Prozent gestiegen. Unter denjenigen, die ihre Ausbildung abgeschlossen und ihren Wehrdienst geleistet haben, ist also weit über ein Drittel arbeitslos. Und natürlich haben die von den Universitäten nachdrängenden Absolventen noch weniger Chancen, eine Arbeit zu finden, geschweige denn eine, die ihrer Qualifikation entspricht. Dies ist der Grund, warum ein hoher Anteil der heute unter 35-Jährigen mit hoher beruflicher Qualifikation in die Emigration getrieben wird. Und dieses Zukunftsszenario ist, wie ich schon mehrfach auf den NachdenkSeiten betont habe, das größte Desaster für Griechenland und die anderen südlichen Euroländer.

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