„Schrottessen für Menschenschrott?“

Niebel versorgt Parteifreunde mit Arbeitsplätzen im Entwicklungsministerium

Erst forderte ein CDU-Abgeordneter, aussortierte Lasagne mit Pferdefleisch an Bedürftige zu verteilen – jetzt unterstützt Entwicklungsminister Dirk Niebel den Vorschlag. „Wir können gute Nahrungsmittel nicht einfach wegwerfen“, sagt der FDP-Politiker.

Quelle: hölderlin

Das unfreiwillige Eingeständnis des Göttinger CDU-Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer von Holdger Platta

Holger Platta (Autor des Buches Kaltes Land – Gegen die Verrohung der Bundesrepublik – Für eine humane Gesellschaft)

Zu Recht empören sich seit gestern zahlreiche Sozialverbände über den famosen Vorschlag des Göttinger CDU-Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer (by the way: Lebendgewicht dieses „großen“ Politikers weit über zwei Zentner), die Pferdefleischprodukte sollten doch bitteschön an die „Bedürftigen“ in diesem Lande weitergeleitet werden. Unübersehbar die Logik: was den normalen Konsumenten – auch Fischers Auffassung nach! – nicht mehr zugemutet werden kann, das ist immer noch gut genug für die Armen im Land. Verhielte es sich anders und wäre dieser Christ (?) und Christdemokrat der Meinung, diese guten Produkte könnten, nach entsprechender Umdeklarierung auf den Pappkartons und Plastikhüllen, allen Mitmenschen in der Bundesrepublik angeboten werden, hätte sich der Entwicklungshilfepolitiker ja anders äußern müssen. Doch für ihn lag die Logik offenbar auf der Hand: den durchschnittlichen Käufern kann dieses Edel-Essen nicht mehr zugemutet werden, nur noch den unterdurchschnittlichen MitbürgerInnen. Und Fischer platzte mit seiner Variante der Barmherzigkeit heraus zu einem Zeitpunkt, wo nicht einmal die Medikamentenbelastung dieser Pferdefleischprodukte geklärt ist. Schon für diese Selbstoffenbarung des ehrenwerten Politikers sollten wir dankbar sein.

Doch untergegangen ist – soweit ich sehe – das zweite Eingeständnis dieses mildtätig gestimmten Armengedenkers aus dem Bundestag (wir können davon ausgehen, dass es ein unfreiwilliges Eingeständnis ist). Fischers Begründung für seinen Vorstoß in Sachen Nächstenliebe lautet nämlich so: 1,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik seien, so wörtlich, „auf Lebensmittelspenden der Tafeln angewiesen“. Angewiesen? – Jawohl, der Mensch und Menschenfischer Fischer sagt es uns: angewiesen! 1,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik (apropos: nur die???) seien auf Lebensmittelspenden der Tafeln angewiesen. Was heißt das?

Nun, nichts anderes, als dass ein CDU-Politiker damit ganz unverhohlen zugibt, dass der angeblich das menschenwürdige Existenzminimum absichernde Regelsatz, dass die angebliche „Grundsicherung“, nicht mal für genügend Essen der betroffenen Arbeitslosen, Aufstocker und Armutsrentner reicht. Fischer, Mitglied in demselben Verein, der uns Tag für Tag einreden will, allen Deutschen gehe es gut und in diesem Land gäbe es kein politikverursachtes Elend – bis ins Hungernmüssen am Monatsende hinein -, eben dieser Fischer begründet seinen grandiosen Fleischvergabevorschlag damit, daß ohne derartige „Spenden“ die Betroffenen hungern, wenn nicht gar verhungern müssten.

Allen Ernstes: wir sollten Fischer dankbar für dieses Bekenntnis sein. Mein Vorschlag deshalb: wir sollten ihm aus tiefstempfundener Dankbarkeit ganz, ganz viele Fresspakete zuschicken oder vor die Haustür legen – Lasagne, Gulasch, Tortellini, das alles mit edlen Anteilen an edlem Pferdefleisch und vielleicht auch verborgenem Pillencocktail. Und bitte keine Mäkeleien, daß Fischer die Wahrheit nur aus Versehen ausgeplaudert hat: bei Politikern dieser Couleur sollten wir bereits für unfreiwillige Eingeständnisse dankbar sein.

Nachlesen gegen-hartz.de vom 23.02.2013

http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/schrottessen-fuer-menschenschrott-9001319.php

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