Offshore-Leaks – Geheime Geschäfte in Steueroasen enttarnt

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Quelle: SZ

Wer steckt wirklich hinter zwielichtigen Briefkastenfirmen? Eine anonyme Quelle hat der SZ und anderen internationalen Medien einen Datensatz mit 130.000 Namen zugänglich gemacht. Experten sprechen vom “größten Schlag gegen das große schwarze Loch der Weltwirtschaft”…

130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern werden in den Unterlagen aufgelistet. Darunter sind Oligarchen, Waffenhändler und Finanzjongleure. Auch Hunderte deutsche Treffer finden sich in den Daten; einen Überblick wird die SZ in den kommenden Tagen geben. Prominentester Fall ist der in Franken geborene Gunter Sachs. Die Datenmenge aus insgesamt zehn Steueroasen umfasst 260 Gigabyte, es handelt sich um insgesamt 2,5 Millionen Dokumente. Die Enthüllungen bieten einen bislang unbekannten Einblick in einen Zweig der Finanzindustrie, der von totaler Diskretion lebt.

Anmerkung WL: Es gab immer wieder Studien wie etwa die des ehemaligen McKinsey-Managers James Henry, die errechneten, dass Billionen(!)-Beträge in Steueroasen verschwinden. Schon seit Jahren und sehr häufig haben wir auf den NachDenkSeiten auf diesen Skandal hingewiesen. Immer dann, wenn z.B. bei Zumwinkel ein Fall öffentlich wurde, dann gab es einige Woche lang Empörung in den Medien und sogar in der Politik, aber passiert ist nichts. Der Grund ist relativ naheliegend:

Die betreffenden Steuerhinterzieher und Schwarzgeld-Verschieber sind so gut mit den politischen Eliten vernetzt, dass sie den nötigen Einfluss haben, um gesetzliche und kriminaltechnische Maßnahmen zu ihrer Verfolgung zu verhindern.
Nun empören sich alle über Steueroasen“ ist der Titel einer Meldung auf Tagesschau.de. Wenn man schon liest, dass der Kampf gegen die Steueroasen nur auf internationaler Ebene aufgenommen werden könne, kann man davon ausgehen, dass die Angelegenheit auf die lange Bank geschoben wird. Die USA haben es vorgemacht, dass man durchaus wirkungsvoll einseitig vorgehen könnte.

Quelle: Lora 92.4 Radio

Werner Rügemer – Der verlogene Kampf der Politik gegen Finanz- und Steueroasen

Am Donnerstag titelte die Süddeutsche Zeitung „Geheime Geschäfte in Steueroasen enttarnt“. Dabei geht es laut der Zeitung, um eine anonyme Quelle, die dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten in Washington einen Datensatz mit 130.000 Personen aus 170 Ländern übermittelt hat. Der Vorgang sei vergleichbar mit den Steuer-CD’s, die deutschen Bundesländern aus Liechtenstein oder der Schweiz angeboten wurden – nur viel gewaltiger in der Dimension.Laut Angaben des Netzwerks Steuergerechtigkeit sind in Steueroasen bis zu 30 Billionen Dollar geparkt. Den Steuerbehörden sollen dadurch bis zu 280 Milliarden Dollar entgangen sein – eine nicht unerhebliche Summe.

Wir haben mit dem Finanz- und Bankenexperte Werner Rügemer gesprochen und wollten von ihm wissen, wie man Steueroasen austrocknen kann. Zunächst weist Werner Rügemer daraufhin, dass der Begriff Steueroase zu kurz greift, er plädiert für die Verwendung von Finanzoase.

Anmerkung Werner Rügemer: Auch die SZ verharmlost die vier Dutzend Finanzoasen, in denen reiche Leute wie Gunter Sachs ihr Vermögen verstecken und der Besteuerung entziehen. Das ist nun wirklich keine Sensation, sondern eine Banalität. Interessant wären allein Namen. Aber da wird lediglich noch der aserbaidschanische Präsident nebst seiner zwei Töchter genannt. Sonst kein lebender Deutscher dabei? Vor allem aber: In Wirklichkeit handelt es sich um Finanzoasen, in denen auch und heute vor allem dunkle Geschäfte der Unternehmen und Banken abgewickelt werden. Sie wollen nicht nur Steuern “gestalten”, sondern auch Öffentlichkeit, Geschäftspartner und Finanzaufsichten täuschen, der Haftung entgehen. Über solche Briefkastenfirmen haben die Verursacher der Finanzkrise, vor allem Investmentbanken, Hedgefonds und Private Equity Fonds, beispielsweise die maroden Hypotheken-”Wert”papiere auf den Markt gebracht. Allein die Deutsche Bank unterhält in 29 Finanzoasen Rechtskonstrukte, die Beteiligungen, Wertpapiere u.ä. verwalten, davon z.B. 443 in Delaware, 136 auf den Cayman Islands, 74 in Luxemburg und zuletzt 6 auch in Zypern (Stand 2011).

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