Ärztemangel in Kalifornien: 10 000 Ärzte gesucht

USA Flagge

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Quelle: NZZ

Das von Präsident Obama mit großer Mühe über die Runden gebrachte neue Krankenversicherungsgesetz «Affordable Care Act» wird ab 2014 schätzungsweise 34 Mio. Amerikanern, die bisher nicht krankenversichert waren, Zugang zu medizinischer Versorgung schaffen. Der Berufsstand der Ärzte wird mit dem Zustrom neuer Patienten nicht ohne weiteres Schritt halten können. Auch wenn sich Medizin-Fakultäten sofort auf die neue Situation einstellen könnten, würde es sieben bis zehn Jahre dauern, bis sich die Ärzteschaft auf das neue Niveau eingependelt hätte.

Ein Beispiel, wie die Teilstaaten versuchen, dem Problem beizukommen, ist Kalifornien, das mit 38 Mio. Einwohnern der bevölkerungsreichste Teilstaat Amerikas ist. Etwa 4,7 Mio. der Neu-Versicherten werden in dem Gliedstaat an der Westküste leben. Mit fast 100 000 Ärzten weist Kalifornien pro 1000 Einwohner etwa 2,63 Ärzte auf, was ziemlich genau dem Durchschnitt der Vereinigten Staaten entspricht. Allerdings sind die Mediziner nicht gleichmäßig über den Gliedstaat verteilt, und fast drei Viertel der Gemeinden sind schon heute medizinisch unterversorgt. Auch der ethnische Hintergrund der Ärzte und Patienten ist im Ungleichgewicht. Fast 40% der Bevölkerung Kaliforniens stammen aus Südamerika und sprechen manchmal fast kein Englisch, aber bloß 5% der Ärzte sind Latinos. Vor allem wird aber der Zustrom der Neu-Versicherten ein Manko schaffen. Rein rechnerisch erfordert die Zunahme der Versicherten 2014 eine Erhöhung der Ärzteschaft in Kalifornien um mehr als 10 000 neue Mitglieder. Da keine Aussicht auf baldige Besserung besteht, befürchten die Gesetzgeber in der Hauptstadt Sacramento eine Krise bei der primären Krankenversorgung in ihrem Teilstaat….

Anmerkung Orlando Pascheit: Wie marode, auch moralisch, das US-Gesundheitssystem ist, wird darin ersichtlich, dass die Zahl der Ärzte ganz selbstverständlich darauf angelegt war, dass 34 Mio. Amerikaner selten oder nie zum Arzt gehen (können). Das mag etwas polemisch formuliert sein, aber die USA stehen zusätzlich vor weiteren Problemen, die schon ausreichen, um von einem Ärztenotstand zu sprechen: dem demografischen Wandel. Die US-Bevölkerung ist seit 1990 bis heute von ca. 250 Millionen Einwohnern auf mehr als 310 Millionen angewachsen. Nach und nach geht die sogenannte Babyboomer-Generation in den Ruhestand. Damit treten diese Bürger dem staatlichen “Medicare“-Programm bei. Es ist von etwas 15 Millionen zusätzlichen Patienten die Rede. In die Babyboomer-Generation fallen natürlich auch Ärzte. Wenn innerhalb der nächsten zehn Jahre aus Altersgründen etwa ein Drittel Ärzte ausscheiden, werden sie durch die nachkommenden Mediziner nicht kompensiert. Die “Association of American Medical Colleges” (AAMC) prognostizierte 2011, dass in den USA im Jahr 2015 knapp 63 000 Ärzte weniger praktizieren werden, als das Land benötigt. Im Jahr 2020 werden 91 500 Ärzte fehlen, 2025 mehr als 130 000.
Inwieweit diese Zahlen interessengeleitet übertrieben sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber selbst eine Halbierung schreibt bei Ausbleiben von Gegenmaßnahmen eine Klassenmedizin fort.

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