Burger King macht Streß

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Quelle: junge welt

Neue Eigentümer von Deutschland-Tochter multinationaler Fast-Food-Kette gehen brachial gegen Beschäftigtenrechte vor. Druck der Finanzmärkte wird weitergegeben

Von Elmar Wigand

Während die Unterdrückung von Gewerkschaften und Betriebsräten in der deutschen Systemgastronomie beim Branchenführer McDonalds seit Jahren erstaunlich geräuschfrei vonstatten geht, knirscht es bei der Nummer zwei Burger King immer wieder hörbar im Getriebe. Am 2. Mai 2013 meldete die internationale Finanzfachpresse den erfolgreichen Verkauf der deutschen Burger King GmbH, einer Tochter der Burger King Worldwide AG, mit ihren 91 Filialen an das Konsortium Yi-Ko Holding GmbH mit Sitz im niedersächsischen Stade. Es handelte sich um die letzten bislang nicht an Franchise-Nehmer vergebenen Burger-King-Restaurants. Eine Woche später bereits gingen die neuen Besitzer Ergün Yildiz und Alexander Kolobov zum Angriff auf Beschäftigtenrechte über. Zu ihrem Machtbereich gehören nun u.a. vier von fünf Fillialen im Raum Dortmund und Lünen. Das Internetportal »lokalkompass.de« berichtete am 9. Mai 2013 unter Berufung auf die Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG) in Dortmund, Yildiz habe in einem Schreiben an alle Distriktleiter gefordert, sämtliche Betriebsvereinbarungen zu kündigen. Außerdem sollen Betriebsräte künftig nicht mehr an der Gestaltung der Dienstpläne beteiligt, Umkleidezeiten nicht mehr vergütet und Betriebsratssitzungen nicht mehr während der Arbeitszeit durchgeführt werden. Zudem plane das Unternehmen, ohne Beteiligung der Betriebsräte eine neue Dienstkleidung einzuführen.

Falls diese Angaben stimmen, stellen sie einen bewußten Bruch geltender Gesetze und gültiger Vereinbarungen dar. Um etwa die Vergütung von Umkleidezeiten zu erzwingen, war die NGG nach eigenen Angaben zusammen mit sieben Angestellten einer Filiale in Dortmund-Kley im Februar 2012 in einen langwierigen Rechtsstreit gegen Burger King gezogen. Erst nachdem das Bundesarbeitsgericht im September 2012 entschieden hatte, daß Umkleidezeiten als vergütungspflichtige Arbeitszeiten zu sehen seien, lenkte die Burger King GmbH im Februar 2013 ein. Nun wollen die neuen Chefs offenbar das Rad zurückdrehen – auch ohne Aussicht auf juristischen Erfolg –, um Beschäftigte, Betriebsrat und die Gewerkschaft massiv unter Druck zu setzen.

Aggressive Grundhaltung

Auch unter dem alten Management mußte die Bildung von Betriebsräten hart erkämpft werden. Ein Protokoll des NGG-Sekretärs Manfred Sträter, das auf labournet.de abrufbar ist, dokumentiert die gewerkschafts- und mitbestimmungsfeindliche Haltung der Burger King GmbH von April bis Juni 2006. Am Tag der Betriebsratswahl, dem 24. April 2006, parkte ein »Assistant Manager« vor dem Wahllokal in der Dortmunder Borussiastraße, um aufzuzeichnen, wer sich an der Wahl beteiligte, wie Sträter vermutete. Burger King focht die Abstimmung juristisch an. Gegen mehrere gewählte Beschäftigtenvertreter wurden wiederholt fristlose Kündigungen ausgesprochen. Letztlich konnten sich Betriebsräte und NGG aber durchsetzen. Jetzt rechnen sie damit, erneut angegriffen zu werden.

Diese Erwartung ist nicht unbegründet, wenn man in andere Städte schaut. In Kassel verkaufte Burger King seine Filialen im Jahr 2010 ebenfalls an ein Franchise-Unternehmen: die BL Restaurant Management GmbH mit ihren Geschäftsführer Bernd Leinemann. Unter dessen Regiment hagelte es Abmahnungen und Kündigungen, wie Lokalpresse und NGG übereinstimmend berichteten. So wurde dem Kasseler Gesamtbetriebsratsvorsitzenden fristlos gekündigt. Er konnte im Dezember 2011 vor Gericht seine Wiedereinstellung erreichen. Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung berichtete im Oktober 2011 von systematischen Schikanen gegen langjährige Beschäftigte.

Ähnlich lautende Vorwürfe erhob die ARD-Sendung Fakt am 23. April 2013. Nach dem Übergang von Burger King zum Franchise-Unternehmer Helmut Brunnhuber (Food Star GmbH) soll der Lohn an den Standorten Chemnitz und Glauchau bis zu 20 Prozent unter den Branchentarif gedrückt worden sein.

Investoren drängen

Burger King wurde 2010 für vier Milliarden Dollar an den Finanzinvestor »3G Capital« verkauft. 2012 ging »Burger King Worldwide« an die Börse. Die britische Investmentfirma Justice (gehört u.a. Karstadt-Besitzer Berggruen) kaufte für 1,4 Milliarden Dollar 29 Prozent der Anteile, 3G blieb Mehrheitsaktionär. Die Financial Times Deutschland schrieb in zynischer Wortwahl: »Bereits kurz vor dem Börsengang im Juni 2012 wurde die Deutschland-Zentrale in München entrümpelt. Von 117 Mitarbeitern mussten 91 gehen.«

Seit Ende 2012 verstärken sich in Deutschland insbesondere Klagen von Franchise-Nehmern, die sich von Burger King unter Druck gesetzt und übervorteilt fühlen. Die PR-Agentur Naima setzte mit burgerschaden.de eine eigene Kampagnenseite ins Werk, um Druck im Sinne der geschädigten Subunternehmer auszuüben.

Über 90 Prozent der ca. 700 Burger-King-Filialen in Deutschland werden von etwa 170 Franchise-Nehmern betrieben. Ergün Yildiz, Geschäftsführer der Yi-Ko Holding GmbH, hofft laut Pressemitteilung, zur Nummer eins Deutschlands aufzusteigen. Sein Partner Alexander Kolobov gilt als treibende Kraft hinter Burger King in Rußland.

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