»Lass uns eine Gasgranate werfen, damit sie verrecken« – Türkischer Journalist berichtet über Polizeigewalt

Foto: nd-screenshot

Foto: nd-screenshot

Quelle: Neues Deutschland   21.06.2013

Grundlose Verhaftungen, Schläge bis zur Bewusstlosigkeit, Todesdrohungen: Zwei Tage verbrachte der türkische Journalist und nd-Autor Gökhan Biçici in Haft. In einem Interview gibt er nun Einblick in das brutale Vorgehen türkischer Polizisten gegenüber Pressevertretern.

Zwei Tage lieferten die Videoaufnahmen über Polizisten, die einen Mann brutal über den Asphalt schleifen, die einzigen Informationen über die Verhaftung von Gökhan Biçici. Am Sonntag war der Journalist nahe des Istanbuler Taksim-Platzes verhaftet und am Mittwoch wieder freigelassen worden. Was in der Zwischenzeit passierte, berichtete er nun dem türkischen Fernsehsender IMC-TV.

Demnach wurde Biçici, der als freier Journalist auch für „neues deutschland“ arbeitet, nahe des Taksimplatzes an einer der von Demonstranten errichteten Barrikaden festgenommen. „Der Vorgesetzte kam und beschimpfte mich“, sagt Biçici zu Beginn des halbstündigen Interviews. Polizisten hätten ihn anschließend eingekreist, seine Gasmaske konfisziert. Sofort, so berichtet Biçici, habe er sich mittels seines Presseausweises als Journalist zu erkennen gebeben. Doch anstatt von ihm abzulassen, rissen ihm Polizisten den Ausweis vom Hals.

Was anschließend passierte erklärt, warum die Türkei derzeit im Pressefreiheit-Index von „Reporter ohne Grenzen“ auf dem 154. von 179 möglichen Plätzen rangiert. Als Biçici versucht ein letztes Foto von der Situation zu machen, habe er den ersten Tritt eines Polizisten einstecken müssen. Die Drohung der Beamten: „Ich nehm dir das Telefon weg und steck es dir sonstwohin.“ Wie auch die Videoaufnahmen belegen, wurde er anschließend zu Boden gerungen und von mehreren Polizisten über den Asphalt geschleift.

Der türkische Journalist wurde auch Zeuge, wie die Polizei brutal gegen Demonstranten vorging: Menschen seien „bis zur Bewusstlosigkeit“ verprügelt und anschließend auf der Straße liegen gelassen worden. Auch auf der späteren Fahrt zur Polizeiwache seien er und andere geschlagen worden. An einer Straßensperre hätten Polizisten gar mit der Tötung der Festgenommenen gedroht: „Steig aus! Lass uns eine Gasgranate in den Bus schmeißen, damit sie verrecken!“, habe einer der Polizisten einen Kollegen aufgefordert. Erst auf den erneuten Hinweis, dass er Journalist sei, hätten die Polizisten schließlich von ihm und anderen abgelassen und ihn zur Polizeiwache Taksim gebracht.

Dort bot sich Biçici ein weiterer dramatischer Einblick in das Ausmaß türkischer Polizeigewalt. Hunderte Menschen, „die sehr schlimm aussahen“, hätten sich dort befunden. Viele hätten, so berichtet der Journalist, Verletzungen am Kopf und den Genitalien davon getragen. Zwei Tage blieb er anschließend in Haft. Am Mittwoch wurde Gökhan Biçici freigelassen.

Dem Autor auf Twitter folgen:

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: