Anleihen: Deutschland spart mehr als 100 Milliarden Euro durch Minizinsen

Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH

Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH

Quelle: SPIEGEL Online

Allein seit 2009 hat der Bund infolge niedriger Zinsen für Bundesanleihen rund 80 Milliarden Euro gespart. Das hat das Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW) errechnet, berichtet die “Welt”. Im laufenden Jahr könnte die Ersparnis auf mehr als 100 Milliarden Euro steigen, prognostiziert das IfW. (…) “Es wäre nicht legitim, die Entlastung einfach zu verdoppeln, aber die Zinsersparnisse von Ländern und Kommunen sind doch erheblich”, sagte Jens Boysen-Hogrefe, der Autor der Studie, der Zeitung “Die Entlastung des Gesamtstaats dürfte deshalb bis Mitte 2014 irgendwo zwischen 100 und 200 Milliarden Euro liegen.” (…) Seit Ende 2008 sinken die Renditen für deutsche Bundesanleihen. Teilweise haben Anleger sogar draufgezahlt, damit sie der Bundesregierung Geld leihen dürfen. Der Staat profitiert dabei von zwei Effekten der Euro-Krise: Zum einen hat die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Zum anderen gelten deutsche Anleihen mehr denn je als sichere Anlage.

Anmerkung unseres Lesers G.K.: Sollte die vom IfW genannte Größenordnung der in Deutschland seit 2008 wegen der Eurokrise (und, so muß hinzugefügt werden: der Finanzkrise) eingesparten Zinsen in Höhe von bis zu knapp unter 200 Mrd. Euro auch nur halbwegs zutreffen, dann wäre dies in der Tat ein gewaltiger finanzieller Brocken. Berücksichtigt man darüber hinaus, daß die seit Ende der 90er Jahre von Deutschland betriebene Dumpingpolitik sowie die seit mehreren Jahren den europäischen Krisenstaaten insbesondere von der hiesigen Bundesregierung diktierte Austeritätspolitik maßgeblich für die nun schon ca. 5 Jahren andauernde Eurokrise mitverantwortlich sind, dann kann man “Deutschland” (hier vor allem die Eliten) durchaus sowohl als Krisenmitverantwortlichen als auch als Krisenprofiteur bezeichnen. Dies gilt insbesondere auch für die ökonomischen Folgen der hiesigen Exporte in die Eurozone und in noch größerem Maße in die Staaten außerhalb der Eurozone (hier profitiert die deutsche Exportindustrie sogar doppelt: vom Lohndumping und vom krisenbedingt niedrigen – für die deutsche Exportwirtschaft sehr vorteilhaften – Euro-Umtauschkurs gegenüber den übrigen Welt-Währungen). Ob “Deutschland” auch in Zukunft Krisenprofiteur sein wird, ist hingegen eine durchaus offene Frage. Die durch die bisherige “Eurorettungs”-Politik aufgerissenen ökonomischen Gräben sowie die daraus resultierenden enormen gesellschaftlichen und sozialen Verwerfungen innerhalb der Eurozone (hohe Arbeitslosigkeit, Reallohnverluste, Abbau der sozialen Sicherungssysteme, gesellschaftliche und wirtschaftliche Polarisierung etc.) können sehr schnell eine die gesamte Eurozone umfassende Zuspitzung der ökonomisch-sozialen Krise heraufbeschwören und wären dann zusätzlich noch eine ernsthafte Bedrohung für die demokratischen Strukturen innerhalb Europas. Eine solche Entwicklung würde auch hohe finanzielle Belastungen für Deutschland verursachen (so z.B. durch den finanziellen Ausfall eines Teils der aus den hohen deutschen Außenhandelsüberschüssen resultierenden Auslandsguthaben). Unter den gegebenen politisch-ökonomischen Machtverhältnissen innerhalb Europas darf man jedoch gewiss sein, daß die deutschen sowie die übrigen europäischen Eliten danach trachten werden, die finanziellen Lasten einer solchen Entwicklung von sich selbst fernzuhalten und diese stattdessen in “bewährter” Art den europäischen Mittel- und Unterschichten aufzubürden.

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: