Zeichen stehen weiter auf Rezession

Armut in Deutschland

Armut in Deutschland

Quelle: André Tautenhahn

Ende Juni jubelten die Medien über die gestiegenen Umsätze im Einzelhandel, die scheinbar zu den Weissagungen der GfK passen sollten. Ein Sonderfall, denn meistens bestätigen die Daten aus Wiesbaden die gemessene Kauflaune aus Nürnberg nicht und weisen eher Rückgänge und Stagnation aus. Dann interessieren sich aber auch die Medien nicht dafür. Sie orientieren sich streng an den Schönwetterzahlen des GfK-Konsumklimaindex. (…) Der sogenannte Musterschüler ist von der Krise keineswegs ausgenommen. Das zeigt, wie heute das Statistische Bundesamt mitteilt, unter anderem ein starker Einbruch der Exporte im Monat Mai um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Vor allem die Ausfuhren in die Länder der Eurozone gingen weiter zurück. Die volkswirtschaftliche Schwäche Frankreichs, des wichtigsten deutschen Handelspartners, schlägt voll durch und kann nicht mal eben so durch Exporte in Drittländer kompensiert werden. Das einseitig orientierte deutsche Wirtschaftsmodell wankt gewaltig, das belegen auch die weiter rückläufigen Auftragseingänge im Monat Mai, die vergangene Woche vom Bundeswirtschaftsministerium eingeräumt werden mussten.

Politik und Medien wollen das aber nicht als Zeichen einer Rezession verstehen, sondern setzen weiterhin auf positive Stimmungsmache oder konstruieren absurde Kausalzusammenhänge. (…) Außerdem sind die Nominallöhne um 1,4 Prozent und die Verbraucherpreise um 1,5 Prozent gestiegen. Würde die Inflation normal, wie in der Eurozone vereinbart, bei zwei Prozent liegen, sehe es noch düsterer an der Lohnfront aus. (…) Die Frage ist nur, ob die Medien endlich ihren Job erledigen und das Scheitern dieser Regierung beim Namen nennen oder ob es ihnen besser gefällt, in Seifenoper-Manier und losgelöst von politischen Inhalten lediglich über Koalitionskonstellationen zu fabulieren.

Passend dazu schreibt Heiner Flassbeck: Auftragseingang: Der wichtigste Indikator rutscht weiter ab und die Investitionen gehen erneut zurück

Quelle: flassbeck-economics

Vergangenen Donnerstag wurde der wichtigste Indikator für die deutsche Konjunktur, der Auftragseingang in der Industrie, veröffentlicht. Im Mai sind die Aufträge weiter gesunken. Das allerdings war dem Großteil der deutschen Presse keine Meldung wert. Wenn man am Freitag „Auftragseingang Deutschland“ bei Google suchte, bekam man nur eine einzige Meldung aus den „deutschen Leitmedien“, nämlich von der WELT. Zwar wird jede noch so dubiose Umfrage, die Jubelmeldungen zulässt, breit aufgemacht, eine ernsthafte Information ihrer Leser streben die Medien allerdings nicht an, es genügt ja, die richtige Stimmung zu verbreiten.

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