Erstmals seit Zweitem Weltkrieg: Rotes Kreuz verteilt Lebensmittel in Großbritannien

Rotes Kreuz

Rotes Kreuz

Quelle: Spiegel Online

In Großbritannien sind offenbar immer mehr Menschen auf fremde Hilfe zum Überleben angewiesen. Laut einem Bericht der Zeitung “Independent” will das Rote Kreuz in diesem Winter erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder Lebensmittel sammeln und verteilen. Dazu würden freiwillige Helfer in Supermärkten um Essen und Trinken bitten. Die Wohltätigkeitsorganisation FareShare solle die Hilfspakete dann an Armenküchen im ganzen Land verteilen. Auch in anderen Staaten Europas hat sich die Lage laut einer Studie der Internationalen Föderation von Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) drastisch verschlechtert. So sei die Zahl der Menschen, die von den nationalen Hilforganisationen in 22 Ländern mit Lebensmitteln versorgt würden, in den vergangenen drei Jahren um 75 Prozent gestiegen – von zwei auf 3,5 Millionen. Insgesamt könnten sich 43 Millionen Bürger in Europa nicht genug zu essen leisten. “Wir verstehen zwar, dass die Regierungen sparen müssen”, sagte Geleta, “aber wir raten dringend von willkürlichen Einschnitten in die Gesundheits- und Sozialsysteme ab.”
Der Trend zu mehr Hunger und Armut sei in ganz Europa zu spüren, sagte IFRC-Generalsekretär Bekele Geleta, nicht nur in den eigentlichen Krisenländern. Laut der Studie ist die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, auch in Staaten wie Frankreich oder Deutschland gestiegen. Selbst Menschen mit einer Arbeitsstelle müssten immer häufiger um zusätzliche Unterstützung bitten. Noch besorgniserregender sei die Situation aber in Ländern wie Griechenland, Italien oder Spanien. Allein in der italienischen Wirtschaftsmetropole Mailand seien mehr als 50.000 Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen. Wie ernst die Lage in Spanien ist, zeigt auch ein am Donnerstag veröffentlichter Bericht der Caritas. Demnach habe sich die Zahl der extrem armen Menschen in dem Land seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 verdoppelt. Mehr als sechs Prozent der spanischen Bevölkerung, etwa drei Millionen Menschen, hätten im vergangenen Jahr mit 307 Euro oder weniger im Monat auskommen müssen.

Think differently. Humanitarian impacts of the economic crisis in Europe
Quelle: Internationales Rotes Kreuz [PDF – 6 MB]

Anmerkung Orlando Pascheit: Und was haben die koalitionssuchenden Parteien dazu zu sagen? Liebe Merkel-Wähler, schon gemerkt: “Laut der Studie ist die Zahl der Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, auch in Staaten wie … Deutschland gestiegen.” Aber, wie schön, uns geht es immerhin besser als den andern und wir haben ja auch noch unsere so erfolgreiche Exportwirtschaft. Dumm nur, dass die deutsche Exporte im August deutlich zurückgingen – im Vergleich zum Vorjahr um minus 5,4 Prozent. Klar, die Exporte in die schwächelnde EU (-3,9 %) bzw. Eurozone (– 4,1 %). Aber da war doch was als Ausgleich? Die Exporte in Länder außerhalb der EU! Nur, die gingen noch stärker zurück, nämlich um -7,2 %. Nur der Vollständigkeit halber: Die Leistungsbilanz – die Berücksichtigung der Salden für Dienstleistungen, Erwerbs- und Vermögenseinkommen, laufende Übertragungen sowie Ergänzungen zum Außenhandel – beträgt 9,4 Milliarden Euro. Vor einem Jahr waren es noch 13,2 Milliarden Euro.
Wie war das mit der Freihandelstheorie? Der Nutzen des Freihandels erweist sich nur, wenn er einer allgemeinen Verteilung zugeführt wird. Wir brauchen uns nur das Schaubild aus den Querschuessen anzuschauen, um zu sehen, dass über die ganzen Jahre nichts aber auch gar nichts getan wurde, um den Binnensektor zu stabilisieren, zu stärken, unabhängiger zu machen (Reallohnentwicklung).

Siehe auch: Deutschland, Schlusslicht bei der Inlandsnachfrage

Quelle: Wirtschaft und Gesellschaft

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