Katar: WM der Sklaven

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Quelle: SZ

Vor gut drei Jahren erhielt Katar den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, und der Botschafter des Emirats in Deutschland sprach aus, welche Bedeutung es habe, dass ein solches Ereignis zum ersten Mal dieser Gegend anvertraut wird. Es zeige “die Öffnung der Kultur und der Gesellschaft Katars für die Welt”.

Wenn man die Berichte von den Baustellen des Landes hört, kommt man an der Feststellung kaum vorbei: Nichts liegt den Herrschern dieses Landes ferner als dies. Ja, sie spielen Fußball nach denselben Regeln wie überall auf der Welt: zwei Tore, 22 Spieler, zweimal 45 Minuten. Ja, sie werden bestimmt jedem Besucher ein Visum geben. Aber sie lassen ihre Plätze und ihre Stadien offenbar auf dieselbe brutale Art und Weise bauen, in der auch ihre Straßen, Flughäfen und Einkaufszentren errichtet werden. Schon vor einigen Monaten wurde bekannt, dass allein im Juli und August des vergangenen Jahres 44 Arbeiter aus Nepal in Katar zu Tode gekommen sind. Nun berichtet die englische Tageszeitung The Guardian unwidersprochen, dass dies bei Weitem nicht alle Toten sind: 382, nur aus Nepal, nur in den beiden vergangenen Jahren.

Aber auch wer den Job dort überlebt, ist Arbeitsbedingungen ausgesetzt, die im Wortsinne menschenverachtend sind. Katar ist nach Luxemburg das reichste Land der Welt, aber ein Arbeiter aus Nepal darf dort nur mit 300 Euro im Monat rechnen. Damit er diese Arbeit bekommt, muss er zudem 1000 Euro Vermittlungsgebühr zahlen, er wird morgens um halb fünf zur Arbeit abgeholt und abends um sieben zurückgebracht – in ein Zimmer, das er sich mitunter mit 25 Mann teilt. Der Lohn wird mal ausgezahlt, mal nicht; und schließlich gibt es das “Kafala”-System, das Arbeitgebern die Verfügungsgewalt über die Pässe ihrer Untergebenen sichert. Womit Letztere zu nichts anderem als zu Zwangsarbeitern werden. “Sklavenähnlich gehaltene Wanderarbeiter” hat Michael Sommer, der deutsche Präsident des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), dazu gesagt. Manchmal übertreiben Gewerkschafter ja. In dem Fall ist es eine präzise Formulierung.

Petition gegen die Austragung der Fußball-WM 2022 in Katar

Anmerkung Orlando Pascheit: Ohne die Zustände rund um das russische Prestigeobjekt Sotschi beschönigen zu wollen, drängt sich einem schon die Frage auf, warum über Sotschi fast jeden Tag kritisch berichtet wird und über Katar so selten. Dabei muss man davon ausgehen, dass die Menschrechtsverletzungen – zumindest nach meinem Kenntnisstand – in Katar weitaus gravierender ausfallen. – Übrigens, in Katar wird eine homosexuelle Handlung  nach dem Gesetz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft – auch gegenüber Ausländern. Ein US-Amerikaner erhielt 1996 sechs Monate Haft und 90 Peitschenhiebe. Ach ja, auch Heteros sollten aufpassen: Händchenhalten in der Öffentlichkeit  ist auch verboten (Reise- und Sicherheitshinweise des AA).

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