Japan steht Lohn-Überraschung bevor

flag-japanQuelle: Project Syndicate

Nach zwei Jahrzehnten der Stagnation schaffte die japanische Wirtschaft im Jahr 2013 die positive Trendwende. Und mit der Ankunft der von uns so bezeichneten „Lohn-Überraschung“ wird sich die Zukunft noch vielversprechender gestalten.
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Als ich die Statistik zum ersten Mal sah, war ich entsetzt: das Lohnniveau in Japan war seit dem Jahr 2000 jährlich um durchschnittlich 0,8 Prozent gefallen. Im Vergleich dazu lag das durchschnittliche Nominallohnwachstum in den Vereinigten Staaten und Großbritannien bei 3,3 Prozent und in Frankreich bei 2,8 Prozent. Im Jahr 1997 erhielten die Lohnempfänger in Japan brutto insgesamt 279 Billionen Yen; bis 2012 war dieser Wert auf 244,7 Billionen Yen gefallen.
Anders ausgedrückt: die japanischen Lohnempfänger haben in den letzten fünfzehn Jahren 34,3 Billionen Yen eingebüßt – dieser Wert liegt höher als das jährliche BIP von Dänemark, Malaysia oder Singapur. Nur wenn es gelingt, diesen Trend umzukehren, wird Japans Wirtschaft wieder einen langfristigen Aufwärtskurs nehmen können.
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In diesem Zusammenhang sticht die Lohn-Überraschung hervor, denn nur wenn diese lange verschüttete Verbindung zwischen Unternehmensgewinnen und Löhnen wieder hergestellt ist, werden Investitionen in Häuser, Autos und andere Gebrauchsgüter sowie der Verbrauch der Haushalte im Allgemeinen Japan aus seiner Deflation befreien und seine Wirtschaft auf einen nachhaltigen Wachstumspfad führen.

Anmerkung unseres Leser J.Z.: In Japan hat man nach zwei Jahrzehnten Krise endlich erkannt, dass Löhne nicht nur Teil der Kosten der Unternehmen sind, sondern ebenso deren wichtigste Erlösquelle darstellen.
Das Beispiel zeigt, dass eine Volkswirtschaft mit einer hinreichend nicht-produktivitätsorientierten Entlohnung schrumpft, sobald der inländische Nachfrageausfall nicht durch Auslandsnachfrage kompensiert wird. Das bedeutet allerdings auch, dass diese Strategie relativer oder absoluter Lohnsenkungen (Euphemismus: Strukturreformen) nicht von allen Ländern gleichzeitig praktiziert werden kann, will man eine schrumpfende Weltwirtschaft vermeiden.
Je größer ferner eine Einzelwirtschaft ist und je stärker eine interne Abwertung über die Löhne ausfällt, umso unwahrscheinlicher ist die Möglichkeit, das Problem der ausfallenden Binnennachfrage überhaupt über das Ausland externalisieren zu können.
Für die in diesem Kontext riesige Eurozone werden die negativen Auswirkungen des andauernden Rattenrennens der internen Abwertungen sozusagen gehebelt.

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