Schafft die Fifa ab! (1/3)

Wenn am Mittwoch in Brasilien die XX. Fußballweltmeisterschafft angepfiffen wird, geht es um weit mehr als Fußball. Die international wohl meistbeachtete Sportveranstaltung ist über die Jahre zu einem Milliardengeschäft herangewachsen. Alleine die exklusiven Sponsoren- und TV-Übertragungsrechte für die WM in Brasilien sollen nicht weniger als fünf Milliarden Dollar einbringen. Das Veranstalterland, dem die gesamten Kosten für die WM aufgebürdet werden, bleibt bei diesem sagenhaften Geldregen jedoch außen vor. Größter Profiteur des Fußball-Spektakels ist vielmehr der Weltfußballverband Fifa – ein nach Gutsherrenart geführter Funktionärszirkel, der als Inbegriff der Korruption gelten kann. Das hat die schönste Nebensache der Welt nicht verdient. Von Jens Berger.

Dieser Artikel ist der Auftakt einer dreiteiligen Mini-Serie zur Fußball WM in Brasilien. Im morgen erscheinenden zweiten Teil wird die WM-Vergabe nach Katar im Mittelpunkt stehen und im übermorgen erscheinenden dritten Teil geht es vor allem um Brasilien.

Die Fifa ist ein Verband der Superlative. In ihr sind 209 nationale Fußballverbände organisiert, die mehr als 300 Millionen aktive Sportler vertreten. Damit sind in der Fifa mehr Nationen vertreten als in der UNO. Anders als die UNO ist die Fifa jedoch mehr als ein internationales Gremium. Die Fifa hat sich über die letzten Jahrzehnte, getragen von immer höheren Sponsorenverträgen und immer teureren TV-Übertragungsrechten zu einem Konzern mit Milliardenumsätzen entwickelt. Durchschnittlich erzielt die Fifa einen Jahresumsatz von mehr als 1,3 Milliarden Dollar – nicht schlecht für einen Verein, der als gemeinnützig und nicht gewinnorientiert gilt.

Eine ehrenwerte Familie

Die Fifa ist heute ein Konzern, in dem ein 25köpfiges Gremium, das Fifa-Exekutivkomitee, sämtliche maßgeblichen Entscheidungen trifft. Eine ehrenwerte Familie, die den sprichwörtlichen Familien Siziliens und Kalabriens in vielen Punkten gleicht und die vom obersten Paten Sepp Blatter nach bester Gutsherrenart geführt wird. Dabei ist die Fifa oberflächlich betrachtet geradezu ein Hort der Demokratie. In den Fifa-Gremien haben die Fußballverbände von Zwergstaaten wie Ost-Timor oder die Cayman-Islands die gleiche Stimmzahl wie die großen und traditionsreichen Verbände Englands (FA) und Deutschlands (DFB) – ein Umstand, der Schmiergeldzahlungen und Mauscheleien jeder Art nicht gerade abträglich ist, denn die Vertreter exotischer Miniverbände sind oft schon für wenige Tausend Dollar zu kaufen.

Je größer der nationale Verband und je höher der Rang der Funktionäre in der Fifa-Hierarchie, desto höher ist deren Preis. Es ist unstrittig, dass die Fifa von Korruption durchzogen ist. Doch worum geht es dabei im Detail? Für was lassen sich die obersten Fußballfunktionäre schmieren? Der wohl wichtigste Punkt auf der Korruptionsliste sind die Wahlen für vakante Positionen innerhalb der Fifa. Es ist beispielsweise ein offenes Geheimnis, dass alle vier Jahre bei der Wahl des Fifa-Präsidenten große Geldbeträge in die Taschen der Delegierten wandern.

Seit 1998 wird jede Wahl innerhalb der Fifa-Gremien von gekauften Stimmen überschattet. Als der Schweizer Sepp Blatter sich in diesem Jahr in einer Kampfkandidatur gegen den Schweden Lennart Johansson durchgesetzt hatte, wurden dafür von den Blatter-Unterstützern Scharen von Delegierten zu Preisen von 50.000 bis 100.000 US-Dollar gekauft. Dies war ein auf dieser Ebene damals noch ein Novum. Blatters Vorgänger, der Brasilianer João Havelange, der das Amt seit 1974 innehatte, musste sich nie gegen einen Mitbewerber durchsetzen – er wurde stattdessen per Akklamation in seinem Amt bestätigt.

Jack the Ripper

Wie auch andere kriminelle Machenschaften ist die Korruption innerhalb der Fifa ein Geben und Nehmen. Einer der eifrigsten Unterstützer Blatters war beispielsweise bis vor wenigen Jahren Jack Austin Warner, ein ehemaliger Geschichtslehrer aus der Karibik-Republik Trinidad und Tobago. Jack Warner, der wegen seiner Skrupellosigkeit den Beinamen „Jack the Ripper“ bekam, stieg unter dubiosen Begleitumständen 1983 in das Fifa-Exekutivkomitee und 1990 zum Präsidenten des nord- und mittelamerikanischen Fußballverbands Concacaf auf. In dieser Position sicherte er Blatter bei allen Wahlen nahezu die kompletten Stimmen der 41 Mitgliedsverbände der Concacaf in einem Block zu – wie viel Warner pro Stimme bezahlte, ist unbekannt. Für ihn hat es sich jedoch gelohnt. Die Übertragungsrechte an den Weltmeisterschaften 1990, 1994 und 1998 für die gesamte Karibik bekam Warner für den symbolischen Preis von einem Dollar und verkaufte sie für mehrere Millionen Dollar auf eigene Rechnung weiter. Bei der WM 2006 in Deutschland verkaufte Warner Tickets, die sein Verband an Fußballfans im eigenen Land weitergeben sollte, auf eigene Rechnung auf dem Schwarzmarkt und machte damit einen Gewinn von mehr als einer Million Dollar.

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