Im Stich gelassen

Quelle: SZ-Magazin

1134 Menschen starben vor einem Jahr beim Einsturz einer Näherei in Bangladesch, in der auch Kleidung für den deutschen Markt hergestellt wurde. Danach hieß es: Alles muss besser werden. Aber getan hat sich kaum etwas. Bis heute kämpfen Überlebende und Angehörige der Opfer von Rana Plaza um Entschädigung und ihre Würde.

Da sitzen sie, die Glücklichen. Sie sind jung, sie atmen, sie leben – aber sie kotzen auf dieses Leben. Ihre Rollstühle quietschen, wenn sie durch den Garten des Center for the Rehabilitation of the Paralized (CRP) in Savar fahren. Es klingt wie das Wimmern liebestoller Kater. Rehana Khatun sitzt in einem Rollstuhl, der zwei Fußstützen hat. Nur: Sie hat keinen Fuß mehr, den sie draufstellen könnte.

Am 24. April vor einem Jahr saß sie nicht weit von hier an einer Nähmaschine im Rana Plaza. Dort, wo eine Menge Billigketten ihre Kleider produzieren lassen. Zwei Beine, zwei Arme, 8000 Taka im Monat, 75 Euro. Damals lag das Leben vor ihr, sie war eine Frau mit Job, vom Helfer zur Näherin aufgestiegen. Wenn es in diesem Land überhaupt ein gutes Leben für Frauen gibt, dann war ihres nahe dran.

Anmerkung JK: Hinsichtlich der Thematik sollte es genügen, beim nächsten Einkauf, einfach noch einmal diesen Satz zu reflektieren: „1134 Menschen starben vor einem Jahr beim Einsturz einer Näherei in Bangladesh, in der auch Kleidung für den deutschen Markt hergestellt wurde.“

Und, wie man auch immer zur Katholischen Kirche und dem Papst stehen mag, aber der Feststellung aus dem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ des aktuellen Papstes Franziskus, ist in diesem Zusammenhang nichts hinzu zufügen: „Diese Wirtschaft tötet.“

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