Die AfD schürt Angst

Quelle: Nürnberger Nachrichten

Als die AfD vor gut zwei Wochen in Stuttgart ihren Programmparteitag abhielt, da gab es für einen Satz des gern gemäßigt auftretenden Partei-Vizechefs Jörg Meuthen den größten, ja stürmischen Beifall: Man wolle „weg vom links-rot-grün-verseuchten 68er Deutschland“, rief Meuthen und verschärfte danach den „verseucht“ noch durch „versifft“. Diese Tonlage kommt also gut an bei den selbst ernannten Rettern des christlichen Abendlands und der deutschen Nation: sehr derb, sehr radikal. sehr rückwärtsgewandt. sehr erfüllt von Wut und Hass – und alles andere als bürgerlich oder liberal. Und es gibt auch eine akademische Anleitung für diese Schüren von Angst, von dem die Protestpartei momentan nahezu ausschließlich lebt. Sie stammt vom in Karlsruhe Philosophie lehrenden Vordenker Mark Jongen. Er sieht in der AfD die einzige Gruppierung, die den Unmut der Bevölkerung nicht nur registriere, sondern auch anfeuern könne. Jongen spricht davon, die „Thymos-Spannung zu heben“. Mit „Thymos“ bezeichnete Platon eine Stimmung zwischen Mut, Wut und Zorn – und die will die AfD befeuern. Das tut sie sehr erfolgreich. Sie reitet auf jener Welle der Politikverdrossenheit, die von Arbeitern bis hinein in die bürgerliche Mitte reicht. Wenn die AfD allen Ernstes das aktuelle Regierungs- und Parteiensystem als „illegitimen Zustand“ bezeichnet, wie sie dies in Stuttgart tat, dann müssen alle Alarmglocken schrillen. Da stellt eine Partei ohne jeden nachprüfbaren Beleg die rechtsstaatliche Ordnung und damit auch die Verfassung in Frage, indem sie den Verdruss an „denen da oben“ noch anschürt. In diesen Wochen macht sie mobil gegen eine geplante Moschee einer liberalen Islam-Gruppierung in Erfurt; vergangene Woche zeigte sie, wie sie sogar mit ideal integrierten Muslimen umgehen kann: Als in Stuttgart die 50-jährige Alevitin Muthterem Aras zur Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg gewählt wurde, stimmte die AfD nicht nur geschlossen gegen Aras, sondern verweigerte der schwäbelnden grünen Steuerberaterin auch demonstrativ jeden Beifall. Warum, das hatte eine Abgeordnete zuvor erklärt: AfD-Frau Christina Baum sah in der Wahl der Migrantin einen Beleg dafür, dass die Grünen „den schleichenden Genozid am deutschen Volk“ vorantreiben.

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: