Von Kapitalismus und Krieg

Sarah Wagenknecht - Foto: nd/Camay Sungu

Sarah Wagenknecht – Foto: nd/Camay Sungu

Quelle: Hintergrund

Sahra Wagenknechts Rede auf dem Parteitag der Linken in Magdeburg hat es in sich – Vom Philosophen Max Horkheimer stammt die wegen ihrer pointierten Kürze oft zitierte These: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.“ Sahra Wagenknechts Rede auf dem Magdeburger Parteitag war eine zeitgemäße Variation, eine Aktualisierung dieses Themas. „Die Neoliberalen haben da gesät, wo die Rechten ernten. Das ist der Zusammenhang!“, rief sie den jubelnden Delegierten gestern entgegen. Sahra Wagenknecht ist eine gute Rednerin, daran ließ sie in ihrer fast 45-minütigen, frei gehaltenen Rede keinen Zweifel. Viel wichtiger ist, sie hat auch intellektuelle Substanz. Sie kann Polemik, aber sie sucht auch nach Erklärungen, die tiefer schürfen. Sie sucht nach Gründen für das, was ist. Damit zählt sie zu einer kleinen Minderheit von Politikern. Sie will „die Geister einer dunklen Vergangenheit“ erklären, die nun wieder hochkommen, den „üblen Rassismus, den offenen Hass und die Menschenverachtung“. Wie ist diese Verrohung unserer Gesellschaft zu erklären? Diese Frage betrifft nicht nur die Linke, sie betrifft alle demokratischen Parteien und das Gemeinwesen insgesamt. Wagenknecht sieht die Ursache in einem gesellschaftlichen Klima, das diesen moralischen Niedergang erst möglich gemacht hat. Seit Jahrzehnten werde eine neoliberale Politik betrieben, die alles dafür tut, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zerstören. „20 Jahre Wirtschaftswachstum sind an der Mehrheit der Bevölkerung komplett vorbei gegangen.“ (…) Die Scheinheiligkeit in der Flüchtlingsdebatte war der zweite inhaltliche Höhepunkt in Wagenknechts Rede. Man empöre sich scheinheilig über die Türkei, wenn sie ausgebildete Ärzte aus Syrien nicht weiterreisen lasse. Ihre ironische Bitte an die Türkei: Man wolle doch bitte schön die fittesten nach Deutschland lassen und die anderen behalten. „Nützlichkeitsrassismus“ nannte Wagenknecht diese Haltung.

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