Schlagwort-Archiv: Hetzblatt Bild Zeitung

Ein Trainer ist ihnen wichtiger als 400 Tote im Mittelmeer: Warum es »King Klopp« und keine Flüchtingsopfer in die Schlagzeilen schaffen

Quelle: Neues Deutschland

Inzwischen ist man als Journalist im täglichen Nachrichtengeschäft viel zynisches gewohnt. So erschreckt die Tatsache kaum, dass Springers-Boulevard-Welt einem Paralleluniversum zur Wirklichkeit gleicht, wo grundsätzlich der Angst, dem Hass, entblößten Brüsten und einem Trainerrücktritt ein höherer Nachrichtenwert eingeräumt wird, als 400 jämmerlich ertrunkenen Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer.

An dieser Stelle ließe sich facettenreich über die heutige »BILD«-Schlagzeile »King Klopp. Der starke Abgang« sinnieren. Allein die sich als Flaggschiffe des deutschen Qualitätsjournalismus verstehenden Tageszeitungen wurden ihrer selbst erklärten Aufgabe als vierte Säule der Demokratie einmal mehr im kollektiven Versagen von »Süddeutscher Zeitung« bis »Frankfurter Allgemeine« mit Schlagzeilen wie »Abpfiff« (SZ) und »Einsame Masse« (FAZ mit dem Aufmacherfotos eines schwarz-gelben BVB-Fanblocks) nicht gerecht. Statt eines Aufschreis über das blaue Massengrab an Europas südlicher Grenze galt die Aufmerksamkeit Dortmunds Ex-Trainer in spe, Jürgen Klopp, der – man rufe sich dies kurz in Erinnerung – schlicht nur seinen Rücktritt nach sieben Jahren erklärt hatte. Für schwarz-gelbe Fußballfans mag damit eine Welt aus den Fugen geraten, doch diese künstlich geschaffene Realität gleicht einer Realitätsflucht in die Welt des Profisports. Man mag Fußballbegeisterten jene zwangsläufig folgenden Debatten zu Klopps Rücktritt am Stammtisch und in den Stadien nachsehen, nicht aber jener publikativen Gewalt, deren wesentlichste gesellschaftliche Aufgabe darin besteht, als Plattform der Meinungs- und Willensbildung zu dienen.

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Hilfe, “Bild”, ich bin zu doof für die GEZ!

Fotoquelle: Bildblog

Fotoquelle: BILDblog

Quelle: BILDblog vom 10.01.2013

In ihrem Kampf gegen den neuen Rundfunkbeitrag hat die „Bild“-Zeitung heute eindrucksvoll nachgeladen. Ein „Riesen Abbuchungs-Chaos“ hat sie aufgedeckt, wobei „Riesen“ sich bislang in einer Fallzahl von 4 (vier) ausdrückt.

Dann gehen wir die Fälle mal schnell durch. Da ist zunächst ein Fotograf aus Hamburg, dessen Namen die „Bild“-Zeitung — vermutlich zum Schutz vor den öffentlich-rechtlichen Gebührenhäschern — als „Ronald S.“ anonymisiert hat. Sowas ist bekanntlich nicht ihre größte Stärke.   weiterlesen…

„Den Prolls die Fresse polieren“

How to … Wie man die Arbeiterklasse abwickelt: „Prolls: Die Dämonisierung der Arbeiterklasse“ von Owen Jones

Quelle: Hintergrund

Link zu dradio

Ein Buch des Historikers, Gewerkschafters und Journalisten Owen Jones über die Stigmatisierung der Arbeiterklasse in der britischen Gesellschaft schlägt riesige Wellen. In den Primetime-Talkshows werden seine von den etablierten Medien als „Polemik“ und „Provokation“ reflektierten Thesen zum Niedergang und der Zerschlagung der Organisationsstrukturen der Arbeiterklasse diskutiert – vor allem die Folgen, ihre permanente Verunglimpfung und Demütigung.

Ihre Mitglieder werden vom „Salz der Erde“ zum „Abschaum der Welt“ degradiert. Die überall im öffentlichen Raum gebräuchliche pejorative Bezeichnung „Chav“ („Proll“) ist das sinnfälligste Phänomen dieser Verächtlichmachung.
Klassenhass gehöre mittlerweile „zum festen Grundbestand der britischen Kultur“, sagt Owen Jones. Der Verantwortung der Vierten Gewalt und der Kulturindustrie für diese Entwicklung sollte nicht unterschätzt werden. In dieser Sphäre „gibt es die Arbeiterschicht eigentlich gar nicht mehr. Es gibt nur noch die nette Mittelschicht, die Häuslebauer, für die die Daily Mail schwärmt.

Eine von Jones‘ Kernthesen lautet: Der neue Klassenhass zielt nach wie vor allem auf die organisierten Arbeiter und die Gewerkschaften. Und er verweist auf interessante Analysen des Meinungsforschungsinstituts Britain Thinks, das vor allem drei Konsequenzen der wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte ausmachte.

Erstens: Die Grundfeiler der Arbeiterklasse, beispielsweise die alteingesessenen Industriezweige und Wohnungsgenossenschaften wurden von der Thatcher-Regierung weitgehend zerstört. Als Thatcher 1979 die Regierungsgeschäfte übernahm, gab es noch über sieben Millionen Arbeitsplätze in der Industrie. Heute sind es nur noch 2,83 Millionen. Die meisten Unternehmen sind in Niedriglohn- und Entwicklungsländer abgewandert.

Zweitens: Thatcher ist es gelungen, in der Gesellschaft weitgehend die Auffassung zu verbreiten, dass alle versuchen sollten, Mittelschicht zu sein und niemand mehr stolz darauf sein soll, Arbeiter zu sein.

Drittens: Angehörige der Arbeiterklasse sind aus Politik und Medien – im britischen Parlament gehören ihr nur noch fünf Prozent der Abgeordneten an; über die Hälfte der 100 führenden Journalisten des Landes besuchten eine Privatschule – fast völlig verdrängt, und das hat zur ungehinderten Verbreitung von „Proll-Zerrbildern“ geführt.

Die Dämonisierung der Arbeiter ein hausgemachtes innerbritisches Problem? Im Vereinigten Königreich sind die Klassengegensätze traditionell krasser, die Kluften zwischen Arm und Reich noch tiefer als in Deutschland. Entsprechend aggressiver sind die Auswüchse des Hasses auf das „riff-raff“ („Gesocks“). Aber auch hierzulande ist eine signifikante Zunahme von Sozialchauvinismus und Ressentiments gegen „die da unten“ wahrnehmbar. Bild verbreitet, beispielsweise mit der Kreation und Überzeichnung von Figuren wie „Karibik-Knut“ und „Florida Rolf“, seit Jahrzehnten den Mythos vom massenhaften „Sozialbetrug“. Einige Privatsender haben regelrechte Hetzjagden auf Sozialhilfe-, später auf Hartz IV-Bezieher gestartet.

Die „Wahrheiten“ der Bild-Zeitung über die Reichen-Steuer – Irreführungen und platte Lügen

Quelle: NachDenkSeiten vom 07.08.12

„7 Wahrheiten über die Reichen-Steuer“ machte gestern BILD auf Seite 2 auf und mobilisiert die Leserschaft der zumeist „kleinen Leute“ gegen die Initiative „umfairteilen – Reichtum besteuern“ von Gewerkschaften, Sozialverbänden und Bürgerinitiativen und Oppositionsparteien für eine höhere Besteuerung der großen Vermögen zur Rückführung der Staatsverschuldung. Schaut man BILDs „Wahrheiten“ genauer an, so entpuppen diese sich als bewusste Irreführungen oder glatte Lügen. Von Wolfgang Lieb.

Die bewusste Irreführung geht schon damit los, dass BILD sich ausschließlich auf die Einkommensteuer bezieht. Die Initiative fordert jedoch allein die gigantischen privaten Vermögen zu besteuern – durch eine dauerhafte Vermögensteuer und einer einmaligen Vermögensabgabe.

(Man kann über die Teilforderung einer Vermögensabgabe (so auch das DIW) durchaus geteilter Meinung sein, weil es einfachere Wege zur Verbesserung der Einnahmeseite des Staates gäbe. Siehe „Der DIW-Vorschlag für „eine Zwangsanleihe oder eine Vermögensabgabe“ lenkt von Wichtigem ab.“. Aber diese Diskussion soll an dieser Stelle nicht geführt werden.) Weiterlesen